Polarität - Die Welt ist eine Küche
10. Dezember 2007 von Siegfried Trebuch
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Es ist ein alter Hut:
Alles im Universum hat zwei Pole.
hell – dunkel, kalt – heiß, schwarz - weiß, Mann – Frau, Liebe – Hass, arm – reich, krank – gesund, u.s.w. Die ältesten bekannten Ausführungen über Yin und Yang finden sich im I Ging, das als Buch in die Zeit der westlichen Zhou-Dynastie (etwa 1045-770 v. Chr.) datiert werden kann. Yin und Yang sind zwei Klassen von Eigenschaften, zwei Gruppen von
Aspekten der Wirklichkeit, auf deren unterschiedlicher Kombination alle Erscheinungen beruhen. Yin und Yang ergänzen und bedingen einander und lösen einander in rhythmischem Wechsel ab. So steht das Yin vertretend für das Feminine, Ruhe und Erholung und das Yang für das Maskuline, Aktivität, Arbeit. Das eine kann nicht ohne das andere existieren. In ihrem Wechselspiel und Zusammenwirken zeigt sich die Ordnung des Universums. So betrachtet erscheint keines der beiden als wichtiger oder als moralisch überlegen.
Alles hat zwei Pole. Jeder Aspekt dieser Welt besteht aus einem Gegensatzpaar. Es ist das fundamentale Prinzip des Universums, dewegen nenne ich es das erste universelle Prinzip. Sie würden Dutzende dieser Polaritäten finden. Es ist ein einfaches und offensichtliches Prinzip. Obwohl es seinen Ursprung in China hat, ist dieses Prinzip in allen Kulturen, Religionen und Philosophien bekannt, auch in unserer. So spricht Hegel von der Polarität als „von einem Unterschiede, in welchem die Unterschiedenen untrennbar sind“ (Hegel, Logik I, 11). Überall findet man zwei Seiten der Medaille. Die Pole sind die zwei gegenüberliegenden Enden derselben Sache, untrennbar zu einer Einheit verbunden. Keiner von beiden ist schlechter oder besser als der andere. Es gibt keinen Tag ohne Nacht, keine Armut ohne Reichtum.
In der Physik kann man das gut beobachten: Was glauben Sie passiert, wenn Sie einen Stabmagneten mit Nordpol und Südpol in der Mitte auseinander brechen? Wenn Sie erwarten, dass Sie zwei Teile mit jeweils dem Nord- und Südpol erhalten, liegen Sie falsch. Auf jedem der beiden Teile bildet sich wieder ein Nordpol-Südpol-Paar. Es gibt keine magnetischen Monopole.
Kein Pol ist gut oder schlecht.
Sie sind die zwei gegenüberliegenden Extreme derselben Sache und bilden zusammen eine harmonische Einheit.
Noch ein kleines Beispiel aus der Physik: Zwischen den Farben schwarz und weiss gibt es unendlich viele Abstufungen von grau. Das ist einleuchtend und damit werden die meisten auch kein Problem haben.
Richtig interessant wird es, wenn wir die Polarität im sozialen Bereich betrachten. Dann ist es mit der Wertfreiheit nicht mehr so einfach. Zwischen Arm und Reich gibt es alle erdenklichen Abstufungen vom Bettler auf der Straße, der von der Hand in den Mund lebt, bis hin zu Bill Gates, der so viel Geld hat, dass er es gar nicht mehr ausgeben kann.
Die Welt, in der wir leben, ist ganz offensichtlich aus einer Unzahl von Polaritäten aufgebaut zwischen denen sich ein Spannungsfeld auftut. Ist das durch Zufall so oder hat das einen besonderen Grund? Wenn wir nur einen Schritt weiter denken, bemerken wir, dass es gar nicht anders sein kann. Ohne diese Gegensätze könnte diese Welt gar nicht existieren. Stellen Sie sich vor, es gäbe nur schwarz. Kein weiß und keine Farben. Ziemlich finstere Angelegenheit, finden Sie nicht? Stellen Sie sich vor, es gäbe nur reiche Leute auf der Welt. Sie wären zum Reichtum verdammt und könnten gar nichts dagegen tun. Stellen Sie sich vor, alle wären immer gesund. Es würde den Begriff Krankheit gar nicht geben. Das mag zwar nicht so schlecht klingen, die Sache hat aber einen gewaltigen Haken: Wir wären gefangen in einer Welt, in der keine Veränderung möglich ist.
Erst durch dieses Spannungsfeld zwischen den Polen bekommen wir die Freiheit zu wählen. Sie können zum Beispiel sagen: “Ich habe nicht genug Geld und will mehr davon haben.” oder “Dieser Beruf gefällt mir nicht, ich will einen anderen.”
Polarität gibt uns die Freiheit zu wählen.
Ohne Polarität wäre alles festgelegt. Wir lebten in einem Gefängnis, aus dem es kein Entrinnen gibt. Erst die Polarität erschließt uns eine Spielwiese mit unendlichen Erfahrungsmöglichkeiten. Wir leben in einer Welt der Gegensätze, in der wir die Freiheit haben, Entscheidungen zu treffen, uns zu verändern und entwickeln. Und genau darum geht es in diesem Leben hier auf dieser Welt. Wir können uns sozusagen die Rosinen aus dem Kuchen picken, womit wir beim Thema Küche wären. Eine Küche ist das ideale Bild für das Verständnis dieser Welt. Geboren zu werden ist wie in eine üppig ausgestattete Küche einzutreten. Hier sind alle nur erdenklichen Zutaten im Überfluss vorhanden. Sie können einen deftigen Schweinsbraten zubereiten, eine gesunde Gemüsesuppe kochen oder eine leckere Sachertorte backen. Alles was fehlt ist ein Koch, der aus dem Vorhandenen was Köstliches macht. Wer dieser Koch ist erfahren sie in ‘Singularität oder die Kunst aus sich selbst zu leben’.

Am 25. Februar 2008 um 12:42 Uhr
Hallo lieber Siegfried!
Hier einige meiner Gedanken zu diesem Beitrag:
- bei “ergänzen und bedingen” dachte ich mir, dass die Polarität sehr wichtig auch ist für uns Menschen, um zu lernen und dadurch zu wachsen, weswegen wir ja auch auf unserem Lernplaneten Erde sind. Ich würde das an dieser Stelle halt sehr passend finden “wachsen” und “lernen” zur Polarität einzubauen.
- Ich weiß und verstehe was du mit Weltordnung meinst, aber wie verstehen das andere Leser? Vielleicht kurz beschreiben, was du darunter verstehst und du eher die spirituelle Natur der Weltordnung und -schaffung meinst.
- vielleicht kannst du in einem Satz einbauen, was Yin und Yang für Eigenschaften haben. Eigentlich kann das jeder nachschlagen, aber ich würde es kompakter finden. Also z.B. ‘das Yin, vertretend für das Feminine, Ruhe und Erholung… und das Yang symbolisiert das Maskuline, Aktivität, Arbeit…’ irgendwie so. Das macht das ganze runder finde ich, weil du vorher von den zwei Klassen und Aspekten redest und ich finde, du solltest sie auch kurz erwähnen.
- dass wir die Polarität brauchen, um in Freiheit Entscheidungen zu treffen und sich dadurch unendlich viele Möglichkeiten ergeben, finde ich super!!!!! Unbedingt so lassen!
- was hältst du von “Jeder Pol ist gleichwertig und wichtig” statt der “gut, schlecht” Sache?
Denn auch wenn die menschliche Welt in negativ und positiv beurteilt und verurteilt, ist beides wichtig, weil wir ja sonst keinen unterschied kennen und somit auch manchmal unser glück gar nicht sehen.
- zwischen schwarz und weiß liegen auch alle anderen SpektralFarben. Bist du schon mal vom Tag in die Nacht geflogen? Da fliegt man vom Licht (Sonne) ins Schwarze (Nacht) und bei diesem wunderbaren Übergang sieht man am ganzen Himmel alle nur möglichen Farben für unser menschliches Auge.
Nur so einige Ideen…
Freu mich sehr auf eine Antwort von dir.
Jackie
Am 28. Februar 2008 um 14:44 Uhr
Hi Jackie!
Danke für Deine Anregungen! Ich will auf jeden Deiner Punkte eingehen:
- „lernen und wachsen“: „Wachsen“ ist ein sehr passender Begriff. Die Polarität gibt uns die Freiheit, alles Erdenkliche auszuprobieren und somit Erfahrung zu sammeln wodurch wir „wachsen“. Sinn und Zweck des Universums ist die Expansion.
Weniger passend finde ich den Begriff „lernen“, da wir auf dieser Welt keine „Lektionen“ zu lernen haben. Es gibt keinen Lehrplan wie in der Schule und auch keine Lehrer. Wir haben natürlich die Freiheit irgendwelche Menschen als „Lehrer“ auszuerkoren. Aber alles was wir „lernen“ können, liegt schon in uns. Letztlich sind wir also alle unsere eigenen „Lehrer“. (Siehe dazu auch „Singularität“)
- Du hast recht, Weltordnung könnte man auch politisch verstehen. Den Begriff „Weltordnung“ habe ich durch „Ordnung des Universums“ ersetzt. Das Polaritätsprinzip gilt nicht nur auf dieser Welt sondern im gesamten sichtbaren und unsichtbaren Universum.
- Deine Anregungen zu Yin und Yang habe ich übernommen. Darüber könnte man natürlich ein eigenes Buch schreiben.
- Danke für die Blumen.
- Das Thema Bewertung ist etwas komplex. Rein philosophisch betrachtet sind beide Pole natürlich gleichwertig. Aber der einzelne Mensch muss sich entscheiden, wo er sich zwischen diesen beiden Polen platzieren will und dazu muss er für sich bewerten (Singularität). Bewertungen werden dann problematisch, wenn ein Mensch glaubt, seine Bewertungen müssten auch für andere gelten (siehe „Monopolarität“). Wenn Du die Polarität Gesundheit/Krankheit nimmst, wirst Du wohl kaum einen Menschen finden, der sich bewusst für Krankheit entscheidet. Entscheidungen zu treffen ist unsere „Arbeit“ hier.
- Bei der Polarität schwarz/weiß meine ich hier primär eine physikalische Analogie. In der Physik sind schwarz und weiß keine Farben. Schwarz entsteht, wenn kein Licht da ist, weiß entsteht, wenn man alle Farben zusammen nimmt. Farben sind also nur verschiedene Aspekte von weiß. Die Polarität in Bezug auf Licht ist hell/dunkel oder schwarz/weiß.
Ich bedanke mich für Deine tollen Anregungen!
Siegfried