Meditation
2. Mai 2008 von Siegfried Trebuch
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Neulich wurde ich von einer lieben Freundin gefragt, wie ich es denn mache, dass ich immer so einen ausgeglichenen und heiteren Gemütszustand habe. „Du ruhst in dir selbst, scheinst keine großen Gefühlsschwankungen zu kennen und machst immer einen ausgeglichenen Eindruck. Wie machst du das?“, fragte sie. Dazu muss ich sagen, dass das bei weitem nicht immer so war. In meinen Jugendjahren und auch noch in den 20igern fuhren meine Gefühle oft mit mir Achterbahn. Aber irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf das unkontrollierte auf und ab. Ich wollte mehr Kontrolle über meine emotionalen Energien haben.
Auf der Suche nach geeigneten Methoden bin ich sehr schnell auf die Lösung gestoßen: Meditation! Ich holte mir ein paar Bücher zu dem Thema und merkte schnell, dass Meditation genau das war, was ich suchte. Bald darauf nahm mich einen Studienkollegin in ihre buddhistische Meditationsgruppe mit. Sonderlich wohl gefühlt habe ich mich dort nicht. Ich fand die Leute dort etwas schräg, aber die Ausführungen des Meditationsleiters haben mich enorm weitergebracht.
Er hat uns erklärt, dass unser Denken unser Sein bestimmt. „Was du heute denkst, wirst du morgen sein.“ zitierte er Buddha. Dieser Ausspruch traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Bisher war ich meinen Gefühlen immer relativ hilflos ausgeliefert. Wenn es mir aber gelänge, meine Gedanken zu kontrollieren, hätte ich auch meine Gefühle besser im Griff.
Von da an (es war im Jahr 1991) habe ich begonnen, regelmäßig zu meditieren. Seither setze ich mich zwei Mal täglich, abgesehen von Unterbrechungen durch Krankheit oder Reise, für jeweils eine halbe Stunde zur Meditation hin. Eine in der Früh nach dem Aufstehen und eine vor dem Schlafengehen. Es ist mir inzwischen so zur Gewohnheit geworden, dass ich regelrechte Entzugserscheinungen bekomme, wenn ich längere Zeit nicht meditieren kann.
Über die Jahre habe ich viele Meditationsseminare in teilweise sehr renommierten Zentren besucht. In den anspruchsvollsten wurde über neun Tage täglich zwischen acht und zehn Stunden meditiert. Eine echte Herausforderung für Geist und Körper. Heute lege ich sehr viel Wert auf Regelmäßigkeit. Eine Stunde pro Tag reicht, aber die muss sein.
Ich habe so ziemlich alles an Techniken praktiziert, was es auf dem „Markt“ gibt und dadurch immens viel über die Funktionsweise des menschlichen Bewusstseins gelernt. Wenn ich erzähle, dass ich regelmäßig meditiere, ist die nächste Frage meistens, wie ich denn meditiere. Nun das ist nicht immer genau gleich. Es hängt von meinem aktuellen Bewusstseinszustand ab, den ich nach zwei Kriterien einstufe.
Das Erste ist die Konzentration: Bin ich konzentriert oder zerstreut. Das Zweite ist die Gemütslage, die irgendwo zwischen euphorisch und depressiv liegt. (Wir haben hier wieder einmal eine Polarität, die man bekanntlich ja überall findet.) Nach einer kurzen Einschätzung meines aktuellen Bewusstseinszustandes entscheide ich mich für eine Technik.
Im Laufe der Jahre habe ich erkannt, dass sich die unzähligen Meditationstechniken im Grunde auf zwei Komponenten reduzieren lassen: Der Konzentration und dem Meditationsinhalt. Erst wenn beide Komponenten harmonisch zusammenspielen, kann Meditation ihre gewaltige Wirkung entfalten.
Konzentration
Konzentration ist das Kriterium schlechthin. Ohne sie geht wirklich gar nichts. Das weiß jeder aus der Alltagserfahrung. Was aber ist Konzentration eigentlich? Die Psychologie definiert Konzentration folgendermaßen:
Konzentration (lat. concentra = Zusammen zum Mittelpunkt) ist die willentliche Fokussierung der Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Tätigkeit, einen Reiz oder Ähnliches. Fokussierung bedeutet, dass für eine gewisse Zeit auf das momentan Ausgeübte oder Empfundene geachtet wird, jedoch nicht auf Vorhergehendes oder Kommendes. Konzentration erfordert geistige Anstrengung und lässt mit der Zeit nach.
Mit anderen Worten: Man bleibt für eine Gewisse Zeit bei einem Gedanken, ohne abzuschweifen. Wenn Sie sich schon einmal in Meditation versucht haben, werden Sie wissen, dass das gar nicht so einfach ist. Sie setzen sich an einem ruhigen Ort hin, entspannen Sich und beginnen mit einer Meditation Ihrer Wahl. Am Anfang gelingt es Ihnen vielleicht ganz gut zu fokussieren, aber schon nach wenigen Minuten schweifen Sie ab und sind mit Ihren Gedanken bei dem was heute im Büro war, bei dem was Sie noch zu erledigen haben, oder sonst irgendeinem Gedanken der nichts mit Ihrer Meditation zu tun hat. Vielleicht ärgern Sie sich dann über sich selbst. Dadurch sind Sie aufgewühlt, es kommen noch mehr Gedanken und die Konzentration ist komplett im Eimer. Trösten Sie sich! Es geht nicht nur Ihnen so. Diese Hürde muss jeder überwinden, der mit Meditation beginnt.
Die große Herausforderung besteht also darin, die Fähigkeit zu entwickeln, die Konzentration über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten. Das ist reine Übungssache. Ich will Ihnen hier eine einfache, aber sehr effektive Technik vorstellen, mit der Sie sukzessive Ihre Konzentrationsfähigkeit ausbauen können:
Die Kerzenmeditation
Suchen Sie sich einen ruhigen Platz und nehmen Sie sich eine halbe Stunde Zeit. Setzen Sie sich in Ihrer bevorzugten Meditationshaltung hin und stellen Sie im Abstand von etwa einem Meter eine Kerze vor sich hin. Die Flamme sollte etwas unter Ihrer Augenhöhe liegen. Die Übung besteht darin, einfach beständig in das Kerzenlicht zu schauen ohne dabei zu denken. Wenn Sie in Gedanken abschweifen, oder bemerken, dass Sie wo anders hinschauen, kehren Sie wieder zur Flamme zurück. Unterdrücken Sie Ihre Gedanken nicht. Lassen Sie sie kommen, vorbeiziehen und gehen.
Den Zeitrahmen für die Übung können Sie selber festlegen. Wenn Sie noch wenig Meditationserfahrung haben, empfehle ich Ihnen nicht länger als zehn Minuten am Stück zu üben. Mit wachsender Übung können Sie die Sitzungen schrittweise bis auf maximal 30 Minuten ausdehnen. Länger sollte es nicht sein, da auch der Geist – wie Muskeln – Entspannungsphasen braucht. Wenn Sie anfangen die angenehmen Effekte zu genießen, können Sie, nach angemessenen Pausen, weitere Sitzungen anhängen. Der große Vorteil dieser Technik liegt darin, dass Sie einen klar definierten äußeren Anhaltspunkt haben, zu dem Sie immer wieder zurückkehren können. So können Sie optimal kontrollieren, ob Sie bei der Sache bleiben. Bei Meditation mit geschlossenen Augen ist das Risiko größer, von der Übung abzuschweifen.
Ich wende diese Technik immer an, wenn ich aufgewühlt oder unkonzentriert bin. Oft benutze ich sie auch als Vorbereitung auf eine inhaltliche Meditation. Wenn Sie diese Übung regelmäßig praktizieren, werden Sie bald die positiven Effekte feststellen. Oft habe ich schon erlebt, dass ich während der Meditation geniale Ideen hatte, oder mir die Lösung zu einem aktuellen Problem einfiel. Häufig stellt sich ein Gefühl der Heiterkeit ein, welches den ganzen Tag anhält. Die Arbeit fällt leichter und geht schneller von der Hand.
