Weltwirtschaftskrise

18. August 2008 von Siegfried Trebuch
Die Sonne - Bedrohung und Chance

In den vorangegangenen zwei Beiträgen habe ich beschrieben, wie seit dem zweiten Weltkrieg weltweit ein gewaltiger Schuldenberg angehäuft wurde. Dieser Schuldenberg kann im Rahmen unseres bestehenden Finanzsystems unmöglich abgebaut werden. Nur durch einen radikalen Umbruch des Wirtschaftssystems ist eine Entschuldung möglich. In der Vergangenheit erfolgte dieser Umbruch immer durch Wirtschaftskrisen. Auf diese folgte dann eine Zeit des Wachstums und der Prosperität, danach eine Phase neuer Überschuldung und schließlich wieder ein Kollaps.

Die Wirtschaftsgeschichte folgt einem langfristigen Kreditzyklus, den der russische Ökonom Kondratieff um 1920 entdeckt hat. Dieser „Kondratieff -Zyklus“ ist zwischen 50 und 70 Jahre lang. Die Dauer hat mit der Lebensspanne und Psychologie des Menschen zu tun. Etwa zwei Generationen dauert es, bis die Menschen den Schock einer Wirtschaftskrise vergessen haben. Dann werden wieder hemmungslos Schulden gemacht, bis der Berg eine Höhe erreicht (wie heute), dass er abgebaut werden muss, bevor wieder ein neuer Zyklus beginnen kann.

Der kanadische Finanzhistoriker Ian Gordon unterteilt den Zyklus in vier Jahreszeiten (Phasen):

a.) Frühling („Kondratieff-Spring“ – aktueller Zyklus-Beginn 1949):
Die Wirtschaft erwacht nach der Schuldenabbau-Phase wieder. Die Stimmung ist optimistisch, aber man ist bei Kreditvergabe- und Aufnahme vorsichtig. Kredite werden nur für Investitionen und nicht für Konsumgüter aufgenommen.

b.) Sommer („Kondratieff-Summer“, Beginn im aktuellen Zyklus ca. 1966):
Die Kreditvergabe wird ausgeweitet, womit auch die Inflation einsetzt. Die Rohstoffe werden knapp. Diese Phase endet nach einer Rezession (wie 1980-82).

c.) Herbst („Kondratieff-Autumn“, Beginn im aktuellen Zyklus 1980):
Das ist eine herrliche Zeit mit wenig Kriegen und wachsender Prosperität. Die Rohstoff-Knappheit geht zu Ende, dafür steigen die Papier-Werte wie Anleihen, Aktien, Immobilien. Die Verbraucherpreis-Inflation bleibt aber gering. Globalisierung durch neue Technologien. Die Konsum- und Staats-Verschuldung erreicht ungeahnte Ausmaße. Darin liegt der Keim zum Niedergang.

d.) Winter („Kondratieff –Winter“, Beginn im aktuellen Zyklus 2000):
Es ist Zeit für den Schulden-Abbau. Mit einem Börsencrash beginnen die Deflation der Papier-Werte und die Inflation der Verbraucherpreise. Massive Bankrotte stürzen die Wirtschaft in eine drei- bis fünfjährige Depression.

Jede dieser Phasen dauert etwa 10 bis 20 Jahre. Damit einher gehen auch große gesellschaftliche Veränderungen. So bildet sich in der “Herbst-Phase” eine Bürokratie- und Anspruchsgesellschaft heraus, die in der Winter-Phase wieder aufgelöst wird. Gleichzeitig geht auch das alte Finanzsystem zu Ende, und ein neues System mit wenig Schulden und meist mit Golddeckung wird geschaffen. Am Ende eines Zyklus standen immer Bürokratie, Verschuldung und Staatsbankrott. Am Anfang war immer Gold die Grundlage eines neuen Finanzsystems.

Es ist klar, dass wir derzeit im Kondratieff-Winter sind, der mit dem Börsencrash im Jahr 2000 eingesetzt hat. Seither wandelt das System am Rande des Abgrundes, was sich in Großpleiten wie Enron oder Worldcom zeigte. Es lief eine großangelegte Rettungsaktion der Politik an. Mit Niedrigstzinsen (USA 1%, Euroraum 2%) und dem Irak-Krieg hat man sich wieder „herausinflationiert“. Niedere Zinsen ermöglichen billige Kredite und Kriege waren schon immer ein beliebtes Mittel, um mit neuen Schulden die Wirtschaft anzukurbeln. So wächst der Schuldenberg munter weiter. Hitler hat das in den 30er-Jahren nicht anders gemacht. Wohin das geführt hat, konnte man am zweiten Weltkrieg sehen. Derzeit handelt die Politik ganz ähnlich. Sie betreibt eine massive Reflation, d.h. sie versucht mit aller Gewalt einen Börsencrash zu vermeiden indem sie frisches Geld in die Wirtschaft pumpt, was die Verschuldung in astronomische Höhen treibt. Eine Strategie, die sich noch bitter rächen wird.Die folgen dieser Politik sind jetzt schon deutlich sichtbar: Die Rohstoffpreise explodieren wie in der Sommer-Phase der 1970er Jahre. Inzwischen drohen daher dieselben Gefahren wie damals. Der Wert des schuldengedeckten Papiergeldes wird immer brüchiger. In den 80er-Jahren mussten die Zentralbanken die Zinsen auf bis zu 20% anheben, um das Vertrauen in die Währungen wieder herzustellen. Solche Zinssätze würden bei der heutigen, hohen Verschuldung zum sofortigen Kollaps des Systems führen. Das wird auch so kommen, wenn die Zentralbanken ihre Währungen durch hohe Zinsen retten wollen.

Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma? Mit den heutigen Methoden sicher nicht. Anzunehmen, dass dieser Schuldenberg durch gesteigerte Wirtschaftsleistung abzubauen wäre, ist absolut utopisch. Damals in den Boomphase der 60er und 70er war die Schuldenlast noch klein und das reale Wirtschaftswachstum groß. Heute steht das Bild auf dem Kopf: Die Schulden sind gigantisch und das Wirtschaftswachstum praktisch Null. Die Politik versucht einen bereits toten Patienten mit Herz-Lungen-Maschinen am Leben zu erhalten.

Die Masse glaubt, der Patient kränkelt ein bisschen, dabei ist er in Wirklichkeit schon tot. Maßstab dafür ist die Inflation. Je höher die Preise steigen, desto mehr werden die Menschen merken, dass etwas nicht stimmt. Dann beginnt die große Panik. Die Anzeichen dafür sind immer deutlicher. Die Tatsachen sind nicht mehr zu übersehen. Mittlerweile wachen immer mehr Menschen auf. So ist zum Beispiel das Buch „Der Crash kommt“ von Max Otte auf Platz 4 der Spiegel-Bestsellerliste zu finden.

Wir stehen vor einem Wirtschaftscrash unvorstellbaren Ausmaßes. Diese Mal ist nicht nur ein einzelnes Land betroffen wie Russland 1998 oder Argentinien 2002. Diesmal ist der Dollar, die Reservewährung der ganzen Welt, betroffen. Der Zusammenbruch der amerikanischen Wirtschaft wird die restliche Welt mitreißen, weil sie, dank Globalisierung, vom Dollar abhängig ist.

Die Frage, ob eine Weltwirtschaftskrise kommt oder nicht, stellt sich gar nicht. Sie hat schon begonnen. Wie Sie sich davor schützen können lesen Sie im nächsten Beitrag.

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8 Kommentare zu “Weltwirtschaftskrise”

  1. Freddy Hermann

    Die Mär vom 11. September muss “eigentlich” jeder glauben!!! ODER??? EIGENTLICH ??? “MÜSSEN” hat mir mein OPA immer abgeraten, als er mir von seiner Zeit im Krieg vor den Toren Russlands erzählte. Der 11. September ist wie eine Daily-Soap: Immer dieselbe Abläufe, gar dieselbe Handlung eben mit anderen Figuren. Der 11. September erinnerte mich an den Überfall auf Polen. Man nehme eigene als Polen verkleidete deutsche Soldaten und greift sich selbst an: Der Grund für Krieg, weil jeder glaubt, was vorgegaukelt wird. Der 11. September???

    Heute 7 Jahre ( 7 !!! ein Zeitzyklus !!! ) danach geht die Welt in eine erneute Runde. In die letzte? Wohl gemerkt die Figuren sind gesetzt gewesen und einige sind immer noch da: BUSH! Wird er sich über die Legislaturperiode eines Präsidenten hinwegsetzen und mit Hilfe des Börsencrashs und der Geldentwertung als der Retter präsentieren können? Was wird in den nächsten 6 Wochen noch auf uns zu kommen!?

    Ich hatte einen Traum vor 8 Jahren, der mich davon abhielt vor 7 Jahren in ein Flugzeug zu steigen, das heute unter den Todesmaschinen des 11. Septembers geführt wird. Wäre ich heute in Guantanamo Bay???

    Erkennen wir, dass uns die neue Religion regiert. Haben wir nicht erkannt, dass auf dieser Welt der Teufel in Form von Geld mit seiner Religion die Menschen benützt und geißelt?

    Wenn ich 100 Mark habe, dann kann daraus nicht eine Geld-BLASE entstehen, die um das vielfache mehr an Buchwert hat, wohl gemerkt “BUCHWERT”. Buchwert wird auf einem Stück Kontoauszug präsentiert. Ich hatte jedoch einmal 100 ECHTE DEUTSCHE MARK, die WERT hatten. Mit diesen 100 Mark ist unter Umständen ein VIRTUELLER BUCHWERTIGER MILLIONÄR in den USA entstanden, allein durch Spekulation, so banal sich das anhören mag.

    Wenn ich jetzt von mehr wie 100 Mark ausgehe, wie groß und heftig muss der KNALL dann sein, wenn diese 100 Mark-Blase platzen könnte?

    Es waren doch nur 100 Mark oder Euro, weil es den Marktgedanken nicht mehr geben darf…

    gez.
    F.H

  2. Siegfried

    Die U.S.A. präsentierten sich immer gerne als der freie Markt schlechthin. Kapitalismus pur sei die alleinseligmachende Ideologie. Würden sie diese Ideologie wirklich bis zur letzten Konsequenz leben, so müsste sie die Investmentbanken an der Wallstreet eiskalt in Konkurs gehen lassen. In Amerika war der Markt nie wirklich frei. Immer wenn es für die Finanzelite brenzlig wurde, griff die Politik massiv ein. Kein Wunder, stecken diese Leute doch alle unter einer Decke. So haben sie den Goldpreis über Jahrzehnte gedrückt und jetzt versuchen sie, ganz offen, die maroden Unternehmen mit Steuergeldern zu retten. Aber lange werden sie dieses perverse Spiel nicht mehr spielen können.

    “You can fool all the people some of the time, and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time.”
    Abraham Lincoln

  3. Freddy Hermann

    … viele Leute wissen einfach nicht, daß Ihr Geld, daß Sie in der Hand haben, NICHT dasselbe Geld ist, daß Sie auf Ihrem Konto gutgeschrieben bekommen, wenn Sie es einzahlen. Das Geld in der Hand ist ECHT, das Geld auf dem Konto und die Zinsen dafür sind ILLUSIONEN, denn es ist der Wert, den die Bank vorgaukelt, daß dies so wäre!

    Das System ist eine Lüge schlechthin.

    Man stelle sich vor, es gibt eine definierte Menge Geld auf dieser Welt. Wir Menschen haben diese definierte Menge solange zur Verfügung, bis evtl. neues Geld gedruckt und auf den Markt gebracht wird. Diese Menge wollen wir größer machen, ohne jedoch neues reales Geld zu haben.

    Dieser Gedanke in sich und dieser Trieb danach ist ein schlimmer.
    Gier und Neid leitet hier unser Handeln, denn wir machen aus einer definierten Menge Geld, Schulden und Gewinne. Einer muß immer die Zeche für den Gewinner bezahlen.

    Aber wir vergessen, daß es gar nicht so viel Geld gibt, selbst für den Gewinner, um die Zeche zu zahlen.

    Welch böses Erwachen …

  4. Siegfried

    So ist es. Ich habe dieses Thema schon ausführlich in „Geld aus dem Nichts“ und „Die Geldsklaven des Goldschmied Fabian“ behandelt.

  5. Andreas Oberholz

    Ich glaube nicht, das es zu einer vergleichenden Weltwirtschaftskrise wie in den 30er Jahren kommen wird.

    Anders als damals sind sich viele Politiker einig, das sich am Weltfinanzsystem was ändern muss. Und wie wir sehen ist Europa hier offensichtlich auch in der Lage einen gewissen Druck auf die USA auszuüben.

    Sollten die USA hier nicht mit machen wollen sehe ich in den kommenden 20 Jahren eh den Ruin der USA.

    Gier endete schon immer im Desaster.
    Rom ist auch gefallen, druch Machtgier.

    Die neuen Märkte heißen nicht mehr Amerika sondern Asien.
    Europa hat das noch nicht erkannt.

    Ich verwette mein Wort dafür, dass in bereits weniger als 5 Jahren nicht mehr Dollar die Weltwährung sein wird sondern der Euro.

    Die USA haben abgewirtschaftet und Milionen von US -Amerikanern mit in den Abgrund gerissen. Europa wird sich zu helfen wissen und Asiatische-Märkte mehr in den Focus ziehen. Die USA werden auf lange Sicht mit ihrer Haltung, dass man alles dem Markt überlassen sollte und bloß keine Kontrolle ausüben soll, sich von alleine ins Weltwirtschaftliche Abseits stellen.

    Und mal im ernst welcher US konzern lässt seine Produkte noch in den USA machen…. selbst Apple ist aus Taiwan….und deutsches Engineering wird im asiatischen Raum hoch bewertet…wir werden uns mit der kommenden Krise wieder auf unsere alten Werte in Dutschalnd besinnen.

    Made in Germany wird schon bald wieder hoch geachtet sein in der Welt.
    Wir sind zwar teuer, aber leider nun mal in vielen Branchen auch besser als USA oder China…..

  6. Siegfried

    Ich denke nicht, dass sich die Politiker wesentlich anders verhalten werden als damals. Welche Wahlmöglichkeiten haben sie in Anbetracht einer Wirtschaftskrise aufgrund von Fehlspekulationen auf Kredit? Sie können die betroffenen Konzerne einfach Pleite gehen lassen und dadurch eine gewaltige Arbeitslosigkeit inklusive politischer Instabilität auslösen. In kürzester Zeit wären sie ihre Jobs los.

    Daher ist es unrealistisch, dass sie diese Option wählen werden. Die zweite Möglichkeit besteht darin, die bankrotten Unternehmen auf Kosten der Staatsverschuldung zu retten – zumindest vorübergehend. Der Kollaps wird so hinausgezögert, bis die explodierende Staatsverschuldung den Dollar und den Euro vernichtet (siehe: „Die Hyperinflation kommt“). Da die heutigen Politiker praktisch ausschließlich kurzfristig handeln, werden sie auch diese Option wählen.

    Das Problem liegt also weniger in der Wirtschaft selbst, als im Finanzsystem. Erst wenn dieses komplett reformiert und wieder voll funktionsfähig ist, wird die Wirtschaft wieder blühen können.

  7. Freigeist

    Freddy Herman bemüht in seinem Kommentar den Teufel im Zusammenhang mit Geld.

    Teufel gibt es nicht. Man sollte sich in Kommentaren nicht mit blindem Glauben beschäftigen, sondern mit (realem) Wissen. Und – Wissen kennt keinen Teufel.
    Folglich auch keinen Gott – nicht mal den der Finanzmärkte – alles pur menschengemacht.

    Grüße

    Freigeist

  8. Siegfried

    Ich will hier keine weltanschauliche Debatte lostreten, aber eines sei dazu gesagt: Freddy steht mit seinem Weltbild auf christlichem Boden. Deswegen gibt es für ihn auch einen Teufel. Das ist sein gutes Recht. Für Dich wiederum gibt es keinen Gott. Das zu glauben ist auch Dein gutes Recht. Es gibt dutzende Argumente, Deine Position wie auch die Freddys zu stärken oder auch zu unterminieren. Am Ende werden wir erkennen, dass es schließlich Ansichtsache ist. Jeder hat, von seinem Blickwinkel aus gesehen, recht. Jeder darf seine individuelle Wahrheit haben, muss aber auch mit ihr leben.