Geld aus dem Nichts

4. August 2008 von Siegfried Trebuch

Wenn Sie glauben, dass ich Ihnen hier erkläre, wie Sie Geld aus dem Nichts erschaffen können, muss ich Sie enttäuschen. Das steht in einem anderen Beitrag (“Geld und das Gesetz der Anziehung“. Hier geht es darum, wie Banken Geld aus dem Nichts erschaffen.

Die Mehrheit der Menschen glaubt heute immer noch, dass Banken nur das Geld als Kredite verleihen, welches andere Kunden als Sparguthaben bei ihnen eingelegt haben. Banken würden aus der Differenz von Kreditzinsen und Guthabenzinsen leben. Wenn Kredite für 8% vergeben werden und auf Sparguthaben 3%, so bleiben für die Bank 5%. Bei einer Summe von € 10.000 wären das also € 500 pro Jahr für die Bank. Nicht gerade viel, oder glauben Sie wirklich, dass mit diesem Geschäftsmodell ein Vermögen zu machen wäre?

Spazieren Sie doch Mal durch die Finanzviertel von Frankfurt, London oder New York. Eigentlich dürften Banken nicht mehr Profit machen, als jeder andere Dienstleister. Stattdessen bauen sie grandiose Glaspaläste, haben Millionen von Filialen rund um den Globus und verfügen über unermessliche Macht. Dabei produzieren sie ja gar nichts, oder doch? Ich will ja nicht unfair sein. Die Banken produzieren schon etwas, nämlich Geld!

Um zu zeigen wie das funktioniert, möchte ich einen kurzen Blick in die Geschichte des Geldes werfen. Bis 1914 und teilweise auch zwischen den beiden Weltkriegen hatten wir einen Goldstandard. Gold- und Silbermünzen waren im Umlauf. Der Wert des Geldes war im Geld selbst, weil dieses aus Edelmetallen bestand. Da es umständlich war, viel Gold oder gar Silber herumzuschleppen, wurden Banknoten aus Papier ausgegeben. Diese konnten jederzeit bei der ausgebenden Bank gegen Gold oder Silber zu einem fixen Kurs eingetauscht werden.

Mit dem Beginn des 1. Weltkriegs wurde diese Goldeintausch-Pflicht der Banken aufgehoben, um den Krieg zu finanzieren. Sonst wäre der Krieg wegen Geldmangel bereits nach 6 Wochen zu Ende gewesen. Einige Länder kehrten nachher wieder zum Goldstandard zurück.

Nach dem zweiten Weltkrieg hatte Europa fast kein Gold mehr, sodass ein Goldstandard nicht wieder aufgebaut werden konnte. Die Amerikaner haben durchgesetzt, dass die neuen Währungen mit dem US-Dollar als Reserve unterlegt wurden. Es wurde suggeriert, dass der Dollar praktisch gleichbedeutend mit Gold wäre. Der US-Dollar konnte von Zentralbanken bis 1971 zum fixen Kurs von $35 pro Feinunze (1 Feinunze = 31,1g) in Gold umgetauscht werden. Eines Tages im Jahre 1971 aber kam die französische Regierung und wollte ihre Dollars in Gold umtauschen. Das Problem war allerdings, dass die USA gar nicht so viel Gold hatten und die Forderung Frankreichs als Affront darstellte.

Da die Amerikaner nicht liefern konnten, entschied Präsident Nixon kurzer Hand die Umtauschpflicht aufzuheben. Seit dieser Zeit hat keine Währung der Welt mehr irgendeine offizielle Golddeckung. Silbermünzen verschwanden endgültig in den 1970er Jahren als Zahlungsmittel.

Warum erzähle ich Ihnen das alles? Ganz einfach weil es wesentlich für das Verständnis unseres heutigen Geldwesens ist. Zur Zeit des Goldstandards war es nämlich nicht möglich, die Menge des Geldes beliebig auszuweiten. Gold- und Silber sind begrenzte Ressourcen. Geldscheine hingegen kann man in praktisch unbegrenzten Mengen drucken.

Wie heute Geld „produziert“ wird

Geldscheine und Münzen sind nur ein kleiner Teil der gesamt vorhandenen Geldmenge. Den weit größeren Anteil macht das sogenannte „Buchgeld“ aus. Es ist das Geld, das als elektronische Zahl beim Abruf Ihres Kontostandes erscheint. Alle Kontostände, Sparguthaben, Kredite und Wertpapierdepots sind also lediglich in einem elektronischen System gespeicherte Zahlen. Wie läuft heute ein alltägliches Bankgeschäft ab?

Nehmen wir an, Anleger A macht eine Einlage bei der Bank X von € 1.100. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Die Bank braucht nur einen kleine Teil der Sparguthaben als Reserve behalten (in diesem Beispiel 10%). Den Rest von € 1.000 darf sie als Kredit wieder verleihen. Dieses Konzept nennt man “Fractional Reserve Banking”, also nur ein kleiner Teil der Einlage wird als Reserve gehalten.

Nun kommt Kreditkunde K und leiht sich € 1.000 von der Bank. Die Bank richtet ein Kreditkonto ein und schreibt auf dieses die € 1.000 gut. K hebt nun dieses Geld ab und gibt es aus. Damit sind € 1.000 neues Geld “produziert”, bzw. aus dem Nichts erschaffen worden!

Anleger A kann nach wie vor über seine € 1.100 verfügen, sie abheben und ausgeben. Also sind € 1.000 zusätzlich im Umlauf. Somit ist die Geldmenge im System gestiegen. Je nach dem Reserveerfordernis der Banken kann einmal erzeugtes Geld durch diesen Mechanismus bis zur 10 fachen Geldmenge erzeugen!

Was die Banken daran so reich werden lässt, ist die Tatsache, dass sie auch für dieses neu erzeugte Geld ganz normal Zinsen kassieren. Wenn Sie also € 1.100 auf Ihr Konto einzahlen, kann die Bank dafür € 10.000 als Kredite vergeben. Ein Bombengeschäft! Kein Wunder also, dass Banken scharf auf Ihre Ersparnisse sind und noch viel schärfer darauf, Ihnen Kredite anzudrehen.

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6 Kommentare zu “Geld aus dem Nichts”

  1. Carsten Steiner

    Eine Bank kann keinen Cent ausleihen, den sie nicht selbst als Refinanzierung aufnimmt, sei es über Einlagen (Ihr Sparbuch), Bundesbankmittel oder bei anderen Banken.

    Die Verdienste klassischer Kreditbanken liegen daher in der Tat lediglich in den Kreditmargen (und berechneten Gebühren). Der einzige Clou dabei ist, dass Banken diese Marge nicht nur auf ihre Eigenmittel, sondern auch auf die Fremdmittel bekommen, was die Marge auf die wenigen Eigenmittel die einzusetzen sind um ein vielfaches steigert.

    Die Banken verdienen natürlich dadurch gutes Geld, ihr Artikel ist vor diesem Hintergrund allerdings völliger Unsinn.

    Alleine durch die Verpflichtung von Eigenmittelunterlegungen bei der Kreditvergabe kann keine Geschäftsbank der Welt beliebig Geld schöpfen (dies würde unweigerlich zu einem sofortigen Wertverlust des Geldes führen).

  2. Siegfried Trebuch

    Im letzten Satz wird der entscheidende Punkt angesprochen: „dies würde unweigerlich zu einem sofortigen Wertverlust des Geldes führen“. Ist das nicht genau das, was wir gerade beobachten? Seit der Einführung des Euros hat er ein Drittel seiner Kaufkraft verloren. Der Wertverlust tritt nicht „sofort“ ein – er kommt schleichend über die kontinuierliche Ausweitung der Geldmenge.

    Zum „Unsinn“: Ich habe nicht behauptet, dass die Geschäftsbanken „beliebig“ Geld schöpfen können. Da die Eigenmittelunterlegung aber heute extrem gering ist (weit unter 10%) ist der Spielraum für die Geldschöpfung sehr groß. Wenn Sie glauben, dass Banken nur Geld verleihen können dass sie wirklich haben (Eigen- und Fremdmittel), sind Sie nicht richtig informiert. Banken kreieren tatsächlich Geld! Nachzulesen u.a. auf Wikipedia unter “Money creation”: http://en.wikipedia.org/wiki/Fractional-reserve_banking

    Wir haben es hier mit einer weltweit gängigen Bankpraxis zu tun, die leider nur viel zu wenig bekannt ist.

  3. Ein beruhigender Zaungast

    Sehr geehrter Herr Siegfried Trebuch,

    sie haben recht mit den Kernaussagen die sie da treffen. Wobei man über einige Begriffe sicher streiten könnte. Es ist natürlich interessant das dieser Umstand so wenig bekannt ist, und es auch sehr schwer ist Informationen darüber zu erhalten. Trotzdem ist das Bestehen dieses Banksystems kein Grund in Panik zu verfallen.
    Aus verschiedenen Gründen. 1. Müssen die Banken ja allein schon deswegen Zinsen verlangen, weil sie vergebene Kredite ja nicht immer zurück bekommen. Sie bekommen sogar nur in wirtschaflich guten Zeiten soviele Kredite zurück, dass durch die Zinsen überhaupt ein Gewinn entsteht, die Banken tragen da schließlich ein Riskio, man könnte meinen, das dieses ja nur sehr gering sei, da ja nur 10% des verliehenen Kapitals ihr eigenes war. Doch wenn im Falle der Zahlungsunfähigkeit des Kunden, die Bank die verpfändeten Aktiva veräußert, dann erlischt ja ihr Recht diese Menge Geld zu erzeugen, und damit werden die kompletten Schulden real für die Bank, sie muss sie selbst zurückzahlen.

    Man kann also nur davon ausgehen das Banken immer Gewinne machen, wenn die wirtschaftliche Lage immer so ist, das Banken auch wirklich ihre Kredite zum großen Teil zurück bezahlt bekommen. Das ist wohl nur in Zeiten von Wirtschaftswachstum der Fall. Ich kann ja verstehen das es logisch erscheint, das die Wirtschaft nicht für immer Wachsen kann, allein schon weil der Planet ja begrenzt ist und wir ja auch möglicherweise die maximale Bevölkerungstragfähigkeit erreicht haben. Aber wie lange das Wachstum noch anhält kann wohl niemand sagen. Seit es Menschen gibt hält es bisher jedenfalls an oder? Ist wirklich jetzt der Zeitpunkt bei dem es zuende geht? Und wenn, dann ist das ja nicht die Schuld der Banken, sondern von ganz Physischen Umständen. Allerdings ein Physischer Crash in der Welt würde natürlich auch die Banken betreffen.

    Durch die Zinsen müsste die Geldmenge immer mehr zunehmen?
    Punkt 1 kann das auch umkehren, oder genau ausgleichen.
    Punkt 2 beschreibt einen großen Crash, natürlich kann es auch viele kleine Crashs geben, so das es immer wieder Wachstum gibt, und dieses dann wieder vernichtet wird. Aber solange die Physikalische Wirtschaft wächst kann und muss auch die Geldmenge wachsen. Bzw. eigentlich der Wert des gesamten im Umlauf befindlichen Geldes. :)

    Und daneben könnten ja auch allein schon die Personal und sonstigen Kosten die Zinsgewinne der Banken wieder auffressen nicht wahr? Ich gebe zu, dass das zur Zeit nicht der Fall zu sein scheint.

    So don’t panic even if it’s not organic.
    Und hab ein bisschen Vertrauen in die Welt, so dumm sind auch die ganzen Banker und Politiker nicht.

  4. Siegfried Trebuch

    Sehr geehrter Zaungast,

    Zuerst mal Danke für den hervorragenden Kommentar! Da steckt sehr viel drin. Die Antwort darauf würde einen ganzen Beitrag füllen. Ich will auf die wesentlichen Punkte eingehen:

    Ich denke, es gibt zwei Blickwinkel (Polarität), aus denen man das Thema betrachten kann: Einen theoretischen und einen praktischen. In der Theorie stimme ich ihnen voll und ganz zu. Natürlich gibt es Wege Methoden zur Entschuldung. Ein Crash kann durchaus abgewendet werden. Dazu braucht es aber vernünftige, mutige und durchsetzungsfähige Politiker, die das Problem wirklich an der Wurzel anpacken. Und damit sind wir schon bei der Praxis. Ein Beispiel: Vergangenes Wochenende hat die amerikanische Regierung die schwer angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac übernommen. Der Staat springt also für bankrotte Firmen ein und finanziert das ganze über neue Schulden. Das ist kurzfristige Symptombekämpfung und hat mit langfristig vorausschauender Wirtschaftspolitik nichts zu tun. Die Geschichte zeigt, dass die Politik immer so gehandelt hat. Daher erwarte ich mir von den jetzt amtierenden Politikern auch keine Glanzleistungen.

    Zum Wirtschaftswachstum: Seit 1945 haben wir ein steigendes Wirtschaftswachstum, aber das ist keinesfalls ein linearer Prozess. Vielmehr verläuft es in Zyklen wie der russische Ökonom Kondratieff erkannt hat (siehe „Weltwirtschaftskrise“). Nachdem 1945 Europa zerbombt war, gab es natürlich viel aufzubauen. Ein großes Wirtschaftswachstum war von da an leicht zu bewerkstelligen. Die Löhne waren niedrig, die Nachfrage hoch. Aber nach ein paar Jahrzehnten kommt es zur Sättigung, die Nachfrage fällt, die Wirtschaft kollabiert. Die Politik versucht verzweifelt zu retten indem sie frisches (Schulden)-Geld in die Wirtschaft pumpt, was die Verbraucherpreise in die Höhe treibt. Dadurch wird der Absturz nur verzögert, fällt dann aber umso schlimmer aus. Ein Wirtschafssystem, dass auf kontinuierliches Wachstum aufbaut ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Das wusste auch der Architekt unseres heutigen Systems, John Maynard Keynes. Darauf angesprochen meinte er: „Auf lange Sicht sind wir alle tot.“

    Es gäbe noch viel mehr zu sagen, aber ich meine, das soll für einen erstmal Kommentar genug sein. Beim „Don’t panic!“ bin ich ganz Ihrer Meinung. Dazu habe ich einen eigenen Beitrag „Keine Panik!“ verfasst.

  5. Der gleiche Gast nachdenklich auf Zaun sitzend

    Ich bleibe mal bei dem Du zu dem ich bei meinem letzten Beitrag schließlich gewechselt habe. :)

    Ich stimme zu, das exponentielles Wachstum der gesamt Geldmenge vorallem auf Dauer und sicher nicht funktionieren kann. Aber welchen Zins sollte man denn für Berechnungen zum Wachstum der Geldmenge genau ansetzten, ich kann da nur schätzen. Wenn man dann von diesem Zins die Inflation und das Wirtschaftswachstum abzieht, dann müsste der Wert eigentlich immer gleich bleiben. Inflation und Wirtschaftswachstum sind dabei natürlich auch kritische Begriffe, denn wie mißt man die genau.
    Jedenfalls wenn da etwas übig bleibt aus der Subtraktion, dann ist das wohl eine Erhöhung des Verschuldungsgrades.
    Also vorallem die Meßung des Wirtschaftswachstums bereitet mir gedanklich Probleme.
    Naja ich stelle mal eine Beispielrechnung an, wie ich mir das vorstellen könnte:
    Inflation im Durchschnitt 2% pro Jahr, Wirtschaftswachstum im Durchschnitt 3% pro Jahr über 58 Jahre, bei Zinsen von 7% auf angelegtes Geld,
    heißt Wachstum des Verschuldungsgrades in den 58 Jahren um’s gut 3 fache.
    3 mal so viele Schulden pro Werteinheit.
    Und wenn Schulden und positives Geldmenge zu einem Ausgleich kommen sollen, durch bankrott von irgendwem oder was, dann setzen Staaten alles daran das zu verhindern.

    Noch dazu kommt mir die ganze Wirtschaftsordnung, durch die ach so geniale sehr geringe Kapitaldeckung, durch die Geldschöpfung vor wie ein Pulverfass. Wenn ein Domino fällt, dann fallen sehr viele. Also wenn man positives Geld und Schulden sich ausgleichen lässt, das passiert das erstmal in sehr großem Maße, und wenn man es nicht tut, dann wird der Sprung zwischen ihnen immer größer und immer schneller immer größer.

    Trotzdem: Keynes hat meines Wissens nach den Satzt: „Auf lange Sicht sind wir alle tot“ in einem anderen Zusammenhang gebracht.
    Nämlich: bezog er sich auf die Ökonomen seiner Zeit, die nur etwas über die Situation lange nach einer Krise sagen konnten, aber nichts über den Verlauf der Krise selbst. “After the storm, all the economists can tell you, that the ocean is flat again. But in the long run we are all dead.”

    Ok, ein riesiges Problem der Welt ist mir damit ein Stück klarer geworden. Vielleicht ist es dass was als Babylonsystem bezeichnit wird?! Und aufeinmal habe ich auch ein bisschen mehr verständnis für den Islam, der ja Zinsen verbietet.

    Trotzdem sind mir Lösungen noch längst nicht klar.
    Auf lange sicht keine garantierten Zinsen auf Kapital, bzw. eine Steuer auf bestehendes Geld, oder dann gleich auf bestehenden Wert?
    Negativer Zins sozusagen? Alles ziemlich schwer zu denken, mit vielen Problemen, und dem riesigen Problem der Umsetzung.

    Gibt den Gesell neben dem Aufzeigen des Problems auch Lösungsvorschläge?

    Tschüss und bis bald

  6. Siegfried

    Lieber Zaungast,
    Gerne können wir per Du sein.
    Auf die Fragen, die Dir Kopfzerbrechen bereiten, geht Prof. Senf ganz detailliert in seinem genialen Vortrag ein: „Die wahre Ursache der Weltfinanzkrise“. Zum Verständnis der Geschichte unseres Geldsystems solltest Du Dir „Die Geldsklaven des Goldschmied Fabian“ ansehen. Einen Lösungsansatz für den ganzen Schlamassel stelle ich in „Eine Lösung für die Finanzkrise“ vor.

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