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Wozu Ziele?

10. Februar 2008 von Siegfried Trebuch      Diesen Beitrag an einen Freund schicken Diesen Beitrag an einen Freund schicken

Im Dezember sah ich im Fernsehen, wie in einer Fußgängerzone eine Umfrage durchgeführt wurde. Die Frage an die Passanten lautete: „Welche Ziele haben Sie für das nächstes Jahr?“ Die Antworten darauf waren ernüchternd: Vom Achselzucken und verlegenem Lächeln über „Ich weiß nicht“ bis hin zu solch vagen Äußerungen wie: „Ich möchte gesund sein“ oder: „Ich möchte, dass das Jahr gut wird“ reichten die Antworten. Keiner, wirklich keiner hatte ein konkretes Ziel für das nächste Jahr genannt.

Die Statistik sagt, dass nur vier Prozent aller Menschen konkrete Ziele und darüber hinaus nur ein Prozent aller Menschen ihre Ziele auch schriftlich formuliert haben. Bei diesen Zahlen ist es nicht verwunderlich, wenn circa 96 Prozent aller Menschen zu den Zuschauern und passiven Konsumenten zählen.

In Seminaren habe ich häufig Leute getroffen, die der Meinung waren, sie würden keine Ziele benötigen. Sie glauben, das Leben würde sie schon dahin führen, wo sie dann am richtigen Platz seien. Höhere Mächte, die Seele oder der Heilige Geist wüssten schon, wohin sie einen führen. Das ist ein sehr passiver Ansatz, den ich auch eine Zeit lang vertreten habe. Allerdings bin ich damit nicht weit gekommen und sonderlich glücklich war ich damals auch nicht. Es ist eine Haltung die häufig in Religionen vertreten wird. „Der da oben wird es schon richten“, sagt man. Dadurch gibt der Mensch seine Selbstverantwortung an eine „höhere Ebene“ ab und geht durchs Leben in dem er nur mehr auf die Umstände reagiert.

Ich glaube heute nicht mehr, dass Gott will, dass wir uns wie brave Schäfchen verhalten, die in passivem Vertrauen auf ihn durchs Leben taumeln. Ich bin davon überzeugt, Gott will, dass jeder von uns sein Potential umsetzt, seine Fähigkeiten im Dienst an der Allgemeinheit einsetzt und ein Leben in Fülle, Glück und Reichtum lebt. Das Leben ist Entwicklung und Expansion – nicht Stillstand und Stagnation. Das Leben, Gott, die Seele, unser höheres Selbst, oder wie immer Sie es nennen wollen, teilt uns über die Gefühle mit, was richtig und gut für uns ist.

Wenn wir uns glücklich fühlen, sind wir am richtigen Weg und glücklich fühlen wir uns nur, wenn wir uns entwickeln, wenn wir expandieren. Das ist unsere Bestimmung und das ist die Bestimmung des ganzen Universums.

Das Leben ist Expansion und Entwicklung.

Vor einiger Zeit traf ich einen jungen Buddhisten der mir sagte, dass er kein Ziel zu haben als den Sinn seines Lebens ansieht. Er möchte nicht Zielen „nachlaufen“, sondern er möchte Gott, der „Erleuchtung“ näherkommen. Ich akzeptierte seine Meinung und fragte ihn, wie er sein Vorhaben „Ich möchte Gott und der Erleuchtung näherkommen“ denn erreichen will. Er dachte kurz nach, dann legte sich ein kleines Lächeln über sein Gesicht, denn er hatte verstanden: Auch für Gott zu leben und Gott näherzukommen ist ein Ziel. Und wenn er dieses Ziel erreichen will, dann muss er einen bestimmten Weg einschlagen, um schließlich dort auszukommen, wohin er möchte. Obwohl er doch „nur“ Gott erreichen will, ist trotzdem seine Initiative gefragt. Ohne geht gar nichts!

Ziele bestimmen die Richtung der Entwicklung.

Professor Mihaly Csikszentmihalyi von der Universität Chicago hat eine Untersuchung durchgeführt, welche die Frage beantworten sollte, wann und warum Menschen Glück verspüren. Er bezeichnete dabei das Gefühl, das wir in Momenten besonderen Glücks empfinden, als Flow. Zu diesem Zweck notierten mehrere tausend Probanden die Momente, in denen sie Flow verspürten. Sie schrieben sich den Zeitpunkt auf, und sie schrieben auf, was sie gerade taten, welches Umfeld gerade vorherrschte, was gerade war. Es ging also darum, herauszufinden, was wir tun müssen bzw. was passieren muss, damit wir dieses Gefühl des Glücks, den Flow, verspüren. Das Ergebnis war ebenso eindeutig wie verblüffend:

Glück ist die unbeabsichtigte Nebenwirkung einer großen Aufgabe, die man verfolgt!

Mit anderen Worten: Es macht glücklich seine hoch gesteckten Ziele zu verfolgen. Ist das nicht Grund genug, sich Ziele zu setzen?

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