Anleitung zum Misserfolg
1. Februar 2008 von Siegfried TrebuchAuf meiner Website ist viel die Rede davon, wie Sie sich Ziele setzen und wie Sie sie erreichen. Es ist auch die Rede von Polarität, dem Prinzip das besagt, dass alles zwei gegenüberliegende Pole hat. Der gegenüberliegende Pol des Erfolges ist der Misserfolg. Machen wir doch ein kleines Experiment: Wenn ich im Beitrag „Fünf Schritte zum Ziel“ die Strategie zum Erfolg richtig beschrieben habe, dann müsste ich durch eine einfache Umkehrung der Prinzipien die Struktur des Misserfolgs erhalten. Hier das Ergebnis:
Um möglichst erfolglos zu sein, müssten Sie Folgendes tun:
1. Vermeiden Sie es, sich Ziele zu setzen!
Lassen Sie alles auf sich zukommen. Lassen Sie die anderen bestimmen, was Sie beruflich und privat tun sollen. Hören Sie nicht auf Ihre innere Stimme, sondern auf die Meinung von Freunden, Ärzten, Politikern, Zeitungen und Nachbarn.
2. Ruinieren Sie jede Motivation!
Konzentrieren Sie sich auf die negativen Seiten Ihres Ihres Handelns. Finden Sie das Haar in der Suppe. Verderben Sie sich jede Freude, die Sie bei der Realisierung Ihres Ziels finden könnten. Wenn Sie sich mutlos und niedergeschlagen fühlen, sind Sie auf dem richtigen Weg.
3. Unterlassen Sie es zu planen!
Falls Sie es in einem schwachen Moment doch tun, werfen Sie jeden Plan sofort wieder über den Haufen. Handeln Sie jederzeit spontan. Dann werden Sie durchs Leben flippen wie eine Kugel im Spielautomaten, bald hierhin, bald dorthin, chaotisch und unberechenbar, allen Zufällen und fremden Kräften ausgeliefert. Wenn Sie Punkt 1 genau befolgen, besteht ohnehin keine Gefahr, dass Sie ins Planen kommen könnten. Nur Ziele verleiten zum Planen.
4. Bleiben Sie passiv!
Schauen Sie den anderen zu. Finden Sie eine Ausrede, wenn Sie selbst handeln müssten. Schauen Sie viel fern und schlafen Sie lange. Freuen Sie sich über die Misserfolge der anderen und ignorieren Sie alle Menschen, die zielstrebig und erfolgreich ihre Pläne verwirklichen.
5. Machen Sie aus kleinen Hindernissen große und aus großen Hindernissen riesige!
Lehnen Sie jede Hilfe ab. Wo keine Probleme sind, erfinden Sie welche. Erklären Sie jedes Hindernis sofort für unüberwindlich und geben Sie auf. Ärgern Sie sich über das kleinste Problem und prägen Sie sich folgendes Motto ein: „Das Leben ist wie eine Hühnerleiter: steil, kurz und beschissen“. Erklären Sie sich bei jedem Misserfolg zum ewigen Versager, gehen Sie ins Bett und ziehen Sie die Decke über den Kopf. Warten Sie auf bessere Zeiten oder kaufen Sie sich Paul Watzlawicks Buch Anleitung zum Unglücklichsein und befolgen Sie die dort angegebenen Ratschläge genauestens.
Ich würde sagen, das Experiment ist geglückt. Die Strategie des Misserfolgs funktioniert genauso gut wie die des Erfolgs. Damit wäre auch wieder die Gültigkeit des Polaritätsprinzips bewiesen und ganz nebenbei für ein bisschen Unterhaltung gesorgt.













Am 19. Oktober 2011 um 18:14 Uhr
Wirklich interessant, die Sache mal von der anderen Seite anzugehen. Mit einem Auge musste ich lachen, mit dem Anderen weinen, hab ich doch einiges aus meiner eigenen Realitaet wiedererkannt. Der Artikel zeigt gut, warum man endlos auf der Stelle treten kann. Aber man sollte auch mal ueber sich selbst lachen koennen. Das ist ein guter Weg zur Besserung und lachen tut sowiso gut und es hilft Schwierigkeiten leichter zu meistern.
Jedenfalls wuensche ich uns allen ein gutes Gelingen.
Am 20. Oktober 2011 um 07:16 Uhr
Hallo Siegfried,
Gut das dir in diesen zeiten der Humor nicht abhanden gekommen ist, find ich super!
Liebe grüsse christian
Am 20. Oktober 2011 um 13:33 Uhr
Den Humor zu bewahren ist in diesen Zeiten nicht gerade einfach. Mit einer mittelfristig positiven Zukunftsperspektive fällt es aber leichter. Humor ist extrem wichtig. Wenn das Leben keinen Spaß mehr macht, wird es schnell sinnlos. Humor hilft auch ungemein, Krisenzeiten zu überstehen.