Verantwortung
7. November 2007 von Siegfried Trebuch
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Glücklich zu Leben ist unmöglich, solange wir nicht erkennen, dass wir immer verantwortlich sind. Nicht der Staat, nicht die Umstände, nicht unser Partner, nicht unsere Erziehung, nicht unsere Gesundheit, nicht unsere finanzielle Situation: Wir sind verantwortlich. „Moment mal“, werden Sie sagen, „was ist mit Krankheit, was ist mit Schicksalsschlägen? Was ist, wenn ich betrogen werde? Und was ist mit einem unverschuldeten Unfall? Sind wir wirklich immer verantwortlich?“
Stellen Sie sich vor, irgendjemand fährt aus heiterem Himmel in Ihr parkendes Auto. Sind Sie verantwortlich? Sie sind nicht für die Tat des Fremden verantwortlich, aber für Ihre Reaktion. Sie können Ihr Schrotgewehr nehmen und den Wüstling über den Haufen schießen. Sie können sich aber auch vergnügt die Hände reiben, weil Sie blitzschnell erkannt haben, dass Ihre Versicherung den Schaden bezahlen wird und Ihr Auto jetzt neu lackiert werden muss, was sowieso schon längst nötig war. Unter Umständen machen Sie sogar einen netten Profit.
Ob Sie das Ereignis mit Ihrer Einstellung angezogen haben, lässt sich natürlich aus spiritueller Sicht lang und breit diskutieren. Absolut klar ist aber, dass Sie immer für Ihre Interpretation des Ereignisses und für Ihre Reaktion verantwortlich sind. Natürlich gibt es Dinge, die uns körperlich und ökonomisch weh tun und uns Kummer verursachen können. Aber es liegt immer in unserer Hand, wie wir damit umgehen.
Ganz gleich, was uns zustößt, wir entscheiden, was wir daraus machen.
Wir sind immer verantwortlich für unsere Reaktionen und Interpretationen. Oft fällt es uns schwer zuzugeben, dass wir immer die Verantwortung für die eigenen Reaktionen haben. Insbesondere, wenn die eigene, selbst gewählte Reaktion schlecht war. Einer Giftschlange hinterher zu jagen, die uns gebissen hat, treibt das Gift nur schneller durch unsere Venen. Besser ist es, sofort Maßnahmen zur Entgiftung zu ergreifen.
Unsere Reaktion ist die Antwort auf ein Ereignis. Und eben für diese Antwort sind wir verantwortlich. Im Englischen heißt Verantwortung responsibility. Darin stecken response (Antwort) und ability (Fähigkeit). Demnach bedeutet Verantwortung die Fähigkeit zu antworten. Streit mit Streit und Provokation mit Krieg zu beantworten, ist bestimmt keine optimale Antwort. Die meisten Menschen schieben Verantwortung von sich. Immer wieder hören wir drei Gründe, warum Menschen nicht verantwortlich sein wollen:
1. „Die Gene sind schuld.“
2. „Die Eltern sind schuld.“
3. „Die Umwelt ist schuld.“
Ein junger Mann hatte zwei Menschen erstochen. Einige Journalisten fragten ihn daraufhin nach seinem Leben und den Beweggründen seiner Tat. Er erzählte ihnen, dass er in einer »kaputten« Familie groß geworden sei. Solange er sich erinnern konnte, schlug der Vater volltrunken seine Mutter zusammen. Gelebt hatten sie von den Dingen, die der Vater zusammengestohlen hatte. Da war es doch nur natürlich, dass er mit sechs Jahren ebenfalls zu stehlen begann. Auf eine Haftstrafe wegen versuchten Mordes folgten die zwei Morde. Er schloss seinen Bericht mit den Worten: „Wie sollte unter diesen Umständen etwas anderes aus mir werden?“
Der junge Mann hatte auch einen Zwillingsbruder. Nachdem die Journalisten das herausgefunden hatten, besuchten sie auch ihn. Zu ihrer Überraschung war er das krasse Gegenteil seines Bruders. Er war ein angesehener Anwalt. Er hatte einen guten Ruf und war in den Gemeinderat und in den Kirchenrat gewählt worden. Er war verheiratet, hatte zwei kleine Kinder und führte offensichtlich ein glückliches Familienleben.
Die Journalisten waren verblüfft. Auf die Frage, wie er denn eine solche Entwicklung hatte nehmen können, erzählte er dieselbe Familiengeschichte wie sein Bruder. Und er schloss seinen Bericht mit den Worten: „Nachdem ich jahrelang erlebt hatte, wohin das alles führt, wie konnte unter diesen Umständen etwas anderes aus mir werden?“
Dieselben Gene, dieselben Eltern, dieselbe Erziehung, dieselbe Umwelt. Aber eine andere Interpretation und eine völlig andere Reaktion. Wie können zwei Menschen unter den gleichen Umständen einen so völlig verschiedenen Weg einschlagen? Trotz aller Widrigkeiten sind wir in der Verantwortung.
