Diesen Beitrag ausdrucken. Werbefrei!

Monopolarität

30. Dezember 2007 von Siegfried Trebuch      Diesen Beitrag an einen Freund schicken Diesen Beitrag an einen Freund schicken

Im Beitrag über Polarität habe ich unsere Welt als ein Spannungsfeld zwischen zwei Polen beschrieben. Alles hat zwei Seiten, eine Gute und eine Böse, eine Weiße und eine Schwarze, eine Schöne und eine Hässliche, eine Warme und eine Kalte. Dazwischen spielt sich das Leben ab. Wenn man einen Blick auf die Menschheitsgeschichte wirft, trifft man immer wieder auf Ideologien, die nur einen der beiden Pole akzeptieren und den anderen auf das schärfste bekämpfen, ja ihn sogar auslöschen wollen. Ich nenne diese Geisteshaltung Monopolarität. Sie ist in den Religionen weit verbreitet, kommt aber auch bei vielen anderen Ideologien vor. Monopolarität tritt immer dann auf, wenn ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen glaubt, die absolute Wahrheit gefunden zu haben, und diese mit missionarischem Eifer anderen, oft mit Gewalt, aufzwingen will. Monopolarität geht immer mit einem hohen Maß an Intoleranz gegenüber Andersdenkenden einher. Immer wenn wer seine „Wahrheit“ jemand anderem aufdrängen oder gar aufzwingen will, wird es problematisch. Der Betroffene wird sich in seiner Freiheit eingeschränkt fühlen und Widerstand leisten.

Im Mittelalter waren wir hier in Europa der felsenfesten Überzeugung in Besitz der allein gültigen Wahrheit zu sein. Wir hatten einen mächtigen Papst, das Oberhaupt einer ebenso mächtigen Institution, der Kirche. Das Weltbild kann ganz einfach so zusammengefasst werden: Alles, was die Kirche sagt ist wahr. Alles was dagegen spricht ist des Teufels und muss ausgemerzt werden. Die Welt wird in schwarz und weiß eingeteilt, wobei die Kirche als der strahlen weiße Pol verstanden wird. Somit sind die Fronten klar geklärt. Wir leben also in einer unvollkommenen Welt, in der es weiße und schwarze Flecken gibt. Ziel der Kirche muss es sein, die schwarzen Flecken auszuradieren, damit die ganze Welt weißer als weiß wird. Dann ist die Mission erfüllt, und alle können endlich glücklich sein, aber bis es soweit ist, liegt noch ein langer, blutiger Kampf vor uns.

Und genau so verlief auch unserer weitere Geschichte. Die Kirche scharrte ein Kreuzritterheer zusammen und zog eine Blutspur von allen Ecken Europas bis nach Jerusalem. Im Verlauf des ersten Kreuzzuges eroberten die Kreuzritter unter Gottfried von Bouillon 1099 Jerusalem und richteten dort ein Blutbad unter der Bevölkerung an. Innerhalb von drei Tagen wurden bis zu 20.000 Bewohner getötet. Was dann geschah, gehört zu den schwärzesten Stunden der so genannten Christenheit: die Eroberung Jerusalems. Aus der damaligen Sicht der europäischen Kreuzritter war es einer der glanzvollsten Augenblicke.

Man schrieb den 15. Juli 1099. Zwei Tage zuvor waren die Belagerungstürme gegen die Mauer vorgeschoben worden. Seit fünf Wochen lagen die Kreuzfahrer vor der Stadt, die das Ziel ihrer Träume war. Drei Jahre zuvor waren sie aufgebrochen - doch von den ursprünglich etwa 300.000 “bewaffneten Wallfahrern”, die mit dem Schlachtruf “Gott will es!” ausgezogen waren, erreichte nur ein Zehntel das Ziel der Reise durch Wüste und Feindesland. Jetzt wollten sie für die Strapazen entschädigt werden und die Menschen umbringen, die ihnen von der päpstlichen Propaganda als “Untermenschen”, als “ungläubige Hunde” dargestellt worden waren.

Und das taten sie mit kaum geahnter Gründlichkeit. “Zur selben Stunde, in der unser Herr Jesus Christ es zuließ, dass er für uns den Kreuzestod erlitt”, schrieb ein Chronist, “flohen die Verteidiger von den Mauern der Stadt, und die Unsrigen folgten ihnen und trieben sie vor sich her, sie tötend und niedermetzelnd, bis zum Tempel Salomos, wo es ein solches Blutbad gab, dass die Unsrigen bis zu den Knöcheln im Blut wateten . Nachdem die Unsrigen die Heiden endlich zu Boden geschlagen hatten, durcheilten sie die ganze Stadt und rafften Gold und Silber an sich und plünderten die Häuser. Dann, vor Freude weinend, gingen die Unsrigen hin, um das Grab unseres Erlösers zu verehren, und entledigten sich ihm gegenüber ihrer Dankesschuld.”

Der Grund für solche Blutbäder ist immer der selbe: Monopolarität. Eine Gruppe, Herrscher oder Institution glaubt, in alleinigem Besitz der Wahrheit zu sein und alles was dieser Wahrheit widerspricht gehört ausgemerzt. Das gilt nicht nur für Religionen, sondern für jede Art von Ideologie, die Andersdenkende bekämpft. Dieses Phänomen findet man im Laufe der Geschichte immer wieder, wie der Terror unter Maximilien de Robespierre, der während der französischen Revolution die Köpfe jener rollen ließ, die nicht den aufklärerischen Idealen der französischen Revolution entsprachen, oder der Holocaust, in dem die Juden das Opfer der nationalsozialistischen Ideologie wurden. Sie wurden zuerst zu Untermenschen und Tieren degradiert um anschließend umso bedenkenloser der Massenvernichtung in den Konzentrationslagern ausgeliefert werden zu können.

Wer glaubt, dass diese Dinge der Geschichte angehören, täuscht sich. Was heute zwischen den USA und der arabischen Welt von der einen Seite als „Krieg gegen den Terror“ und von der anderen Seite als „Heiliger Krieg“ bezeichnet wird, ist nichts anderes als Monopolarität in ihrer reinsten Form. Fragen Sie doch mal einen konservativen, patriotischen US-Amerikaner, wie er die Situation sieht. Er wird er Ihnen erklären, dass die USA der Welt Freiheit, Demokratie und christliche Werte bringen. Die Bösen sind die, die mit Selbstmordkommandos das World Trade Center zerstören. Aus seinem Blickwinkel ganz klar und verständlich.

Fragen Sie hingegen einen Araber, so wird der Ihnen erzählen, dass sein Volk seit Jahrzehnten von den Amerikanern wegen des Erdöls ausgebeutet wird. Amerika lebt nicht nach den Gesetzen des Islam und ist folglich ein Land von Ungläubigen. Man müsse gegen sie den „Heiligen Krieg“ führen, sie am besten total vernichten. Jeder der beiden ist der Meinung, dass er der Gute ist. Und jeder fühlt sich seinem Gott verpflichtet, den anderen zu vernichten. Die Kreuzritter töten für Jesus, die Moslems für Allah. Verständnis zwischen den beiden Seiten sucht man vergebens. So läuft das seit Jahrhunderten. Nur langsam durchschaut die Menschheit, dass Sie immer wieder nach den gleichen Mustern handelt.

Europa hat im Laufe seiner blutigen Geschichte gelernt, dass es noch einen anderen Weg geben muss, als sich gegenseitig ständig zu bekämpfen. Lange hat es gedauert, sehr lange. Wir erleben die längste Phase von Frieden in Europa in seiner Geschichte. Die verehrenden Weltkriege waren eine bittere Lektion. Jeder Versuch einen Pol auszulöschen ist gescheitert. Es kann auch gar nicht anders sein. Diese Welt ist eine Welt der Vielfalt und je früher wir das einsehen, umso friedlicher wird es sein. Freuen Sie sich, dass andere Menschen anders denken als Sie. Sie sind eine Bereicherung im unendlichen Universum der Gedanken. Lassen Sie die anderen wie sie sind und suchen Sie sich Ihren eigenen, ganz persönlichen Glauben. Das Gesetz der Anziehung wird Sie mit den zu Ihnen passenden Menschen zusammenführen. Glück und Harmonie ergeben sich dadurch ganz von selbst.

Wenn Ihnen dieser Beitrag geholfen hat, unterstützen Sie bitte SiegfriedTrebuch.com mit Ihrer Spende damit diese Webseite weiter wachsen kann:


Einen Kommentar schreiben

Gratis Persönlichkeitsentwicklungs-Newsletter

Mit dem kostenlosen Persönlichkeitsentwicklungs-Newsletter erhalten Sie einmal im Monat praktische Tipps, wie Sie Ihr Leben erfolgreicher und glücklicher gestalten können. Ihre E-Mail-Adresse wird vertraulich behandelt und selbstverständlich nicht an Dritte weitergegeben. Sie gehen keinerlei Verpflichtungen ein und können den Newsletter jederzeit wieder abbestellen.

Einfach Vornamen und E-Mail-Adresse eintragen und auf "Kostenlos anmelden" klicken.