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Existenzangst

18. Januar 2008 von Siegfried Trebuch      Diesen Beitrag an einen Freund schicken Diesen Beitrag an einen Freund schicken

Es ist erstaunlich, wie wenige Menschen ihr Leben nach ihren Vorstellungen gestalten. Die Gehirnwäsche beginnt in der Kindheit. Die Mechanismen von Unterdrückung und Kontrolle werden von den Eltern größtenteils unbewusst an die Kinder weitergegeben und wirken sich noch weit bis ins Erwachsenenleben hinein aus. Manche Menschen kommen in ihrem Leben niemals an den Punkt, ihr Leben vollständig selbst in die Hand zu nehmen, zu tun und zu lassen, wozu sie Lust haben. Sie verharren an Arbeitstellen, an denen sie schon lange keinen Spaß mehr haben. Sie leben mit einem Partner zusammen, mit dem es längst nicht mehr passt. Sie haben Träume, die sie nie verwirklichen. Es gibt endlos viele Möglichkeiten da draußen. Warum werden sie so wenig genützt?

Während meines Soziologiestudiums habe ich mich intensiv mit der Frage beschäftigt, was unsere moderne Gesellschaft eigentlich zusammenhält. Sie kann nur funktionieren, wenn die überwiegende Mehrheit der Menschen Arbeiten nachgeht, die ihnen keinen oder nur wenig Spaß macht. Sie tun es aber trotzdem. Und warum? Weil ihnen die Sicherung der physischen Existenz wichtiger ist, als die Selbstverwirklichung. Mit anderen Worten: Der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält ist Existenzangst.

Viele Menschen nehmen einfach das, was der Arbeitsmarkt zuzulassen scheint und womit sie möglichst viel Geld verdienen können. Oft suchen auch die Eltern den Beruf für ihre Kinder aus. Oder die Kinder machen einfach das, was in ihrer Familie oder Region schon immer gemacht wurde. So gibt es ganze Dynastien von Kaufleuten, Ärzten, Anwälten, Tischlern, Musikern und Bauern. Wenn sie dann erkennen, dass sie keinen Spaß an ihrem Beruf haben, meinen sie, dass es für einen Wechsel zu spät ist. Sie verdienen zu gut, um etwas anderes zu machen, oder sie müssen eine Familie, ein Haus, ein Auto unterhalten und Kredite abbezahlen.

Die Arbeitgeber versuchen, ihre im Grunde unmotivierten Mitarbeiter einigermaßen bei Laune zu halten, indem sie ihnen Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Überstundenvergütung und Prämien zahlen. Sie überlassen ihnen manchmal sogar ein Auto und eine Wohnung, aber sie können ihnen nicht den Spaß an einem selbstbestimmten Leben geben. Wir werden auf Unterdrückung trainiert und finden es ganz normal, dass wir uns mit aller Kraft auf Arbeitstellen bewerben, von denen wir im Vorhinein schon wissen, dass sie uns nicht glücklich machen werden. Irre oder? Die Leute schlagen sich um Arbeitsplätze, die in Wirklichkeit keiner will. Wie aber kommt man aus dieser Zwickmühle heraus?

Der erste Schritt zur Befreiung besteht darin, zu erkennen, dass man unterdrückt wird. Zur Unterdrückung gehören immer zwei: einer, der unterdrückt, und ein anderer, der sich unterdrücken lässt. Erst durch die Bereitschaft sich unterdrücken zu lassen, entsteht Unterdrückung. Es ist wirklich so. An dem Tag, an dem der Unterdrückte aufsteht und geht, ist die Unterdrückung vorbei. Aber damit er diesen Schritt tun kann, muss sich zuerst was in seinem Kopf verändern, denn Unterdrückung beginnt im Kopf.

Um aus der Unterdrückung auszubrechen, brauchen Sie einen alternativen Plan, sie brauchen ein Ziel, Mut und Kraft um den neuen Weg zu gehen. Wenn Sie sich keine eigenen Ziele setzen, werden Sie von anderen für deren Zwecke und Interessen benutzt. Wenn Sie selbst nicht das Ruder für Ihr Leben in die Hand nehmen, tut es jemand anderer. Sie werden dann einfach für die Ziele Ihres Arbeitgebers eingespannt. Sie werden zu einem Rädchen in einer Maschine. Sie folgen Anweisungen und warten darauf, dass sie wieder nach Hause gehen dürfen. Sie warten auf das Wochenende, den Urlaub, die Rente. Und dabei vergeht ihr Leben, irgendwie ungelebt, weil es nicht ihre Wünsche, Interessen und Träume sind, die sie da leben.

Es stehen Ihnen also zwei Optionen offen: Erstens, Sie können ausbrechen und einen völlig neuen Weg einschlagen. Das ist zugegebener Maßen nicht leicht. Es erfordert Mut zur Veränderung, Kreativität Ihren neuen Weg zu finden und Selbstdisziplin um den Weg konsequent zu verfolgen, auch wenn Sie manchmal durch emotionale Täler müssen. Dafür haben Sie aber die gewaltige Chance, ein wirklich glückliches und erfülltes Leben zu führen. Das Gefühl es selbst geschafft zu haben, ist eines der höchsten, die es überhaupt gibt.

Die zweite Option ist, Sie ziehen den Schwanz ein und bleiben auf Ihrer, scheinbar so sicheren, Angestelltenstelle sitzen, mit der Folge, dass Sie mit Ihrer Arbeit garantiert nie glücklich werden und auch nie zum finanziellen Durchbruch gelangen können, weil Sie Ihre ganze Energie damit verschwenden, jahrelang die Erwartungen Ihres Chefs zu erfüllen und Tätigkeiten auszuüben, die unter Ihren Fähigkeiten liegen.

Kurz gesagt haben Sie die Wahl zwischen einem erfüllten Leben in Freiheit oder einem sinnentleertem Leben in Abhängigkeit. Beides erfordert Anstrengung, aber nur ersteres macht auch Spaß. Wenn Sie es so sehen, sollte Ihnen die Entscheidung leicht fallen

Wenn Sie den Mut haben, den ersten Schritt aus der Unterdrückung zu wagen, tut sich eine ganz neue Welt auf. Wenn Sie beginnen Ihre Träume zu leben, kommt die geballte Lebensfreude wieder zurück. Wenn sich die ersten kleinen Erfolge einstellen, werden Sie merken, dass Ihre Existenzangst völlig unbegründet war.

Ein lieber Freund von mir war Angestellter in einer Versicherung. Er konnte das Arbeitsumfeld nicht mehr ertragen. Die ewige Keilerei ging ihm auf die Nerven. Er wusste, dass er aus diesem Geschäft raus wollte. Da kam eines Tages eine Freundin von Ihm die gerade eine Wohnung gekauft hatte und fragte ihn, ob er Handwerker für Installationsarbeiten empfehlen könnte. In seinem großen Freundeskreis hatte er tatsächlich Handwerker, für die er die Hand ins Feuer legen würde. Gegen eine Provision vermittelte er „seine“ Leute weiter. Seine Freundin war mit der Arbeit hochzufrieden.

Da dachte er sich, dass er auch anderen diese Dienstleistung anbieten könnte. Aus dieser Idee entstand über die nächsten Jahre ein florierender Betrieb für Innenarchitektur. Er hat richtig Spaß an der Arbeit, verdient prächtig und sagt, das einzige was er bereut ist, dass er nicht schon viel früher damit begonnen hat. Selbst wenn dieses Geschäft einmal nicht mehr so gut laufen sollte, weiß er ganz genau, dass er jederzeit was anderes machen kann. Sein Erfolg hat seinem Selbstvertrauen einen gewaltigen Schub verliehen. Existenzangst kennt er heute nicht mehr.

Wie Sie den Weg aus der Existenzangst hin zu einem befreiten und erfüllten Leben finden, lesen Sie in den Beiträgen über Karriere, Ziele, Zukunft und Geld.

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